Jedes Jahr im November tauchen zwei Begriffe in praktisch jedem Online-Shop auf: Black Friday und Cyber Monday. Beide wirken inzwischen wie feste Bestandteile des deutschen Kalenders, sind aber ursprünglich aus dem US-amerikanischen Handel gewachsen und erst mit einigem zeitlichen Abstand nach Europa gewandert. Wer versteht, woher die beiden Tage kommen, liest die Werbung drumherum gelassener – und weiß, worauf es beim Einkaufen tatsächlich ankommt.
Der Black Friday: ein Name aus dem Verkehrschaos von Philadelphia
Der Freitag nach Thanksgiving, dem vierten Donnerstag im November, gilt in den USA seit Jahrzehnten als informeller Auftakt des Weihnachtsgeschäfts. Der Name „Black Friday“ wird der Polizei von Philadelphia zugeschrieben, die ihn vermutlich in den 1950er Jahren prägte – nicht aus Marketinggründen, sondern aus purem Frust. Am Tag nach Thanksgiving strömten Käufer und zugleich Touristen in die Stadt, die wegen des traditionellen Football-Spiels zwischen den Militärakademien Army und Navy am folgenden Samstag anreisten. Die Straßen waren verstopft, die Gehwege überfüllt, und Polizisten mussten zusätzliche Schichten schieben, um das Chaos zu bewältigen. „Black Friday“ war zunächst also eher eine Beschreibung eines anstrengenden Arbeitstags als ein Verkaufsversprechen.
Weil die Bezeichnung so negativ klang, versuchten Händler und Werbetreibende in Philadelphia bis 1961, den Tag stattdessen „Big Friday“ zu nennen. Der Versuch setzte sich nicht durch, der ursprüngliche Name blieb hängen. Erst deutlich später verbreitete sich eine positivere, volkstümliche Deutung: Der Tag markiere angeblich den Punkt, an dem Einzelhändler dank hoher Umsätze von den roten in die schwarzen Zahlen rutschen. Diese Erklärung ist griffig und wird bis heute gerne erzählt, mit dem eigentlichen Ursprung in den überfüllten Straßen Philadelphias hat sie aber wenig zu tun.
Cyber Monday: eine Erfindung des US-Handelsverbands
Der Cyber Monday ist deutlich jünger und lässt sich sogar auf ein konkretes Datum zurückführen. Der Begriff wurde 2005 von Shop.org geprägt, der digitalen Abteilung der US-amerikanischen National Retail Federation (NRF), und erstmals am 28. November 2005 in einer Pressemitteilung von Ellen Davis öffentlich verwendet. Hintergrund waren Beobachtungen aus dem Jahr zuvor: 2004 zeigte sich, dass der Montag nach Thanksgiving zu den umsatzstärksten Online-Einkaufstagen des Jahres zählte. Eine naheliegende Erklärung aus jener Zeit: Viele Haushalte hatten damals noch langsame Wählverbindungen, während in den Büros bereits schnellere Internetanschlüsse zur Verfügung standen. Wer am Wochenende im Netz gestöbert hatte, kaufte am Montag im Büro fertig ein.
Der Cyber Monday war also von Anfang an eine Marketingerfindung eines Branchenverbands, nicht ein historisch gewachsener Brauch wie der Black Friday. Genau das macht ihn zu einem guten Beispiel dafür, wie schnell sich ein erfundener Verkaufstag etablieren kann, wenn er einen echten Trend – hier: verstärktes Online-Shopping – aufgreift und ihm einen einprägsamen Namen gibt.
Wie zwei US-Termine zu einem europäischen Ereignis wurden
Sowohl Black Friday als auch Cyber Monday hängen an einem rein amerikanischen Feiertag, dem Thanksgiving-Donnerstag, der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gar nicht begangen wird. Trotzdem haben internationale Handelsketten und später auch lokale Händler die Termine übernommen, weil sie inzwischen weltweit bekannt sind und sich gut als Anlass für eine Rabattaktion eignen. Aus zwei ursprünglich sehr amerikanischen Ereignissen – einem Verkehrsproblem und einer Verbandskampagne – ist so ein globaler Handelstermin geworden, der mit dem eigentlichen Thanksgiving-Fest inhaltlich nichts mehr zu tun hat.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich in den vergangenen Jahren aus zwei Einzeltagen vielerorts eine ganze „Black Week“ oder sogar ein mehrwöchiger Aktionszeitraum entwickelt hat. Das verwässert den ursprünglichen Sinn der beiden Tage zusätzlich, denn wenn praktisch der ganze November als Rabattzeit beworben wird, verliert ein einzelnes Datum an Aussagekraft.
Was für Käufer wirklich zählt
Weil Black Friday und Cyber Monday als Marketingbegriffe entstanden sind und nicht als geprüfte Gütesiegel, sagt das Datum allein wenig darüber aus, ob ein Preis an diesem Tag tatsächlich niedriger ist als sonst. Ein hoch aufgedrucktes Rabattschild ist kein Beleg für einen günstigen Preis, sondern nur ein Vergleich mit einem vom Händler selbst gewählten Ausgangswert. Sinnvoller ist es, den Preisverlauf eines Produkts über mehrere Wochen zu beobachten, statt sich allein auf einen einzelnen Aktionstag zu verlassen. Wer ohnehin plant, im November oder Dezember etwas zu kaufen, kann die Wochen rund um beide Termine nutzen, um in Ruhe zu vergleichen – ganz ohne Zeitdruck oder das Gefühl, sofort zuschlagen zu müssen.
Eine gute Übersicht über Shops und Aktionen aus verschiedenen Bereichen bietet die Kategorienübersicht von daily-coupons.info, etwa für Technik oder Mode. Wie die Gutscheine und Angebote auf dem Portal grundsätzlich funktionieren, erklärt die Seite So funktioniert es.
Häufige Fragen
Ist der Black Friday in Deutschland ein Feiertag?
Nein. Thanksgiving, an das der Black Friday anknüpft, wird in Deutschland nicht gefeiert. Der Tag hat sich hierzulande rein als Handelstermin etabliert, ohne den ursprünglichen Feiertagsbezug.
Stimmt es, dass „Black Friday“ von schwarzen Zahlen kommt?
Das ist die populäre, aber vermutlich nachträgliche Deutung. Historisch geht der Name eher auf das Verkehrschaos zurück, das Polizisten in Philadelphia in den 1950er Jahren am Tag nach Thanksgiving beschrieben.
Warum fällt Cyber Monday immer auf einen Montag?
Weil der Begriff ursprünglich beschrieb, dass viele Menschen am ersten Werktag nach dem verlängerten Thanksgiving-Wochenende von ihrem Büro-Internetanschluss aus einkauften, statt zuhause mit langsamerer Verbindung.
Sind die Preise an diesen Tagen automatisch niedriger?
Nicht zwangsläufig. Der Name des Tages sagt nichts über die tatsächliche Preisentwicklung aus. Es lohnt sich, den Preis eines Produkts über einen längeren Zeitraum zu beobachten, statt sich allein auf ein Rabattschild zu verlassen.